Zwei fast identische Brandeinsätze in neugebauter Wohnanlage

Zwei fast identische Brandeinsätze in neugebauter Wohnanlage

13. und 15.11.1997

Nur drei Monate nach Einweihung eines Wohnkomplexes mit 80 Wohnungen kam es am 13. und 15.11.1997 zu zwei Kellerbränden mit ausgeprägter Rauchentwicklung. Bei den fast identisch ablaufenden Brandeinsätzen war das ursächliche Schadensfeuer relativ klein, der entstandene Brandrauch führte jeweils zu einer kritischen Situation für die etwa 200 Bewohner und sorgte für hohen Schaden.

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Objektbeschreibung

Auf einer Grundfläche von etwa 600 m2 steht die vierstöckige Wohnanlage direkt an der Hauptdurchgangsstraße (B 295) in Ditzingen, eine zweistöckige Tiefgarage und zwei Kellergeschosse bilden den Unterbau. Es existiert eine hausinterne Brandmeldeanlage mit akustischem Warnsignal und automatischer Entlüftungseinrichtung der Kellerräume. Wegen des abgestellten Hauptschalters versagten diese Sicherungseinrichtungen.
Jeder Wohneinheit ist in den stark verwinkelten Kellergeschossen ein durch Holzverschläge abgetrennter Abstellraum zugeteilt. Erst vier Wochen vor den Bränden hatten sich die Führungskräfte der Feuerwehr im Rahmen einer Objektbegehung einen orientierenden Eindruck von den neueingeweihten Räumlichkeiten verschafft.

Alarmierungen

Am 13.11.1997 alarmierte die LS Ludwigsburg gegen 11.48 Uhr den kompletten Löschzug der Abteilung Ditzingen wegen "Starker Rauchentwicklung, Weilimdorfer Straße 26". Anwohner hatten Rauchaustritt aus den Kellerräumen bemerkt und einen Notruf abgesetzt. Zwischen 11.50 und 11.53 Uhr rücken ELW 1, TLF 16, DLK 23/12 und LF 16/8 zur etwa 800 m entfernten Einsatzstelle ab.
Zwei Tage später bemerkte ein Passant ebenfalls starke Rauchentwicklung. Er fuhr daraufhin zum Gerätehaus, um sich nach dem Verbleib der Feuerwehr zu erkundigen. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Alarmierung erfolgt war, meldete er die Lage dem zufällig anwesenden Gerätewart. Dieser löste gegen 10.18 Uhr Alarm für die Abteilung Ditzingen aus, nach den zwei Tage zuvor gemachten Erfahrungen ergänzten LF 16 TS und MTW gleich zu Beginn den abrückenden Löschzug. Die Leitstelle hatte bis zum Eintreffen des sechsten Einsatzfahrzeugs (10.26 Uhr) keinen einzigen Notruf erhalten.

Lage beim Eintreffen

Die Lage beim Eintreffen unterschied sich bei beiden Bränden nur unwesentlich. Ohne primär lokalisierbaren Brandherd drang dichter Rauch aus dem ersten und zweiten Untergeschoß und in die Tiefgarage. Es bestand beim ersten Einsatz eine geringe Verrauchung der Treppenaufgänge. Ob sich Hausbewohner in den verrauchten Gebäudeteilen aufhielten, war nicht sicher bekannt. Als Zugang zum Gebäude standen alle Eingangstüren und die Tiefgarage zur Verfügung.

Einsatzmaßnahmen

Am 15.11.1997 konnte das einsatztaktische Vorgehen des Vortages wiederholt werden. Zur Lokalisation des Brandherdes erkundeten zunächst zwei Atemschutztrupps im Kellergeschoß von verschiedenen Zugangswegen. Dichter Brandrauch, völlige Dunkelheit und herabhängende Stromleitungen erlaubten den Trupps nur ein langsames Vortasten in den verwinkelten Räumlichkeiten. Bei beiden Einsätzen konnten die brennenden Abstellräume erst nach etwa 20 Minuten entdeckt und mit einem C-Rohr gelöscht werden. Ein dritter Trupp erkundete gleichzeitig in den vom Rauch weniger stark betroffenen Gebäudeteilen. Seine Aufgabe bestand neben der Personensuche in der Aktivierung des hauseigenen Rauchabzuges. Unterstützt durch den Drucklüfter am Haupteingang gelang so eine rasche Verbesserung der Sichtverhältnisse im Gebäude. Auf die anfangs erwogene Evakuierung der 80 Wohnungen konnte dadurch verzichtet werden.
Die Überwachung der bis zu sechs Atemschutztrupps übernahm gleich zu Beginn der Einsätze ein zweiter Zugführer. Auf einem eigenen Kanal im 2-m-Band sollte er seine Überwachungsfunktion wahren und einsatztaktische Rückmeldungen entgegennehmen. Die mittlerweile funktionierende Alarmsirene und größere "Funklöcher" im Gebäude störten die Funkgespräche jedoch erheblich, so dass oft minutenlang kein Kontakt zu den Trupps bestand. Ein am Sprunggelenk verletzter Feuerwehrmai konnte sich glücklicherweise ohne Inanspruchnahme des Rettungstrupps aus dem Gefahrenbereich zurückziehen, die ungenügenden Kommunikationsmöglichkeiten hätten bei einer gravierenderen Verletzung zu einer kritischen Situation führen können.
Nach dem zweiten Brand unterstützten Beamte der Kriminalpolizei Kornwestheim die Ermittlungen der örtlichen Polizei. Aufgrund der besonderen Umstände fertigte der Angriffstrupp nach Besserung Sichtverhältnisse Sofortbilder vom Brandherd an und übergab diese an die Ermittlungsbehörde. Zerstochene Cabriodächer und Autoreifen in der Tiefgarage erhärteten den Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung in beiden Fällen, verdächtige Person konnten bislang jedoch nicht ermittelt werden.