Vier Fachwerkgebäude im Ortskern in Flammen

Vier Fachwerkgebäude im Ortskern in Flammen

27.10.2003 - 17:48 Uhr

Ein Feuer im dicht bebauten Ortskern von Ditzingen-Heimerdingen erforderte am Abend des 27. Oktober einen Großeinsatz der Feuerwehr. 92 Feuerwehrangehörige und knapp 30 Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst waren bis zu 12 Stunden im Einsatz, sie konnten durch einen massiven Löscheinsatz eine weitere Ausbreitung des Großbrandes verhindern. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf mindestens 300.000 Euro.


Objekt
Der betroffene Gebäudekomplex liegt im dicht bebauten Ortskern von Heimerdingen. Es handelt sich dabei um das denkmalgeschützte Gehöft der ehemaligen Gaststätte Adler. Die sieben Gebäudeteile sind in Fachwerkbauweise errichtet und umschließen zwei Innenhöfe. Die ältesten der zwei- bis viergeschossigen Gebäudeteile stammen aus dem späten 16. Jahrhundert, seit etwa drei Jahren sind die Gebäude nicht mehr bewohnt. Das erste Obergeschoss des Hauptgebäudes nutzt eine Musikband als Übungsräumlichkeit.
Alarmierung
Gegen 17:45 Uhr fährt der Heimerdinger Abteilungskommandant durch die Ortsmitte und entdeckt dabei starke Rauchentwicklung am Gehöft der Gaststätte Adler. Sofort begibt er sich zum nahe gelegenen Feuerwehr-gerätehaus und informiert über Funk die Feuerwehrleitstelle. Erste Notrufe erhält der dortige Disponent erst fünf Minuten später.
Mit dem Stichwort "Dachstuhlbrand, Heimerdingen, Hochdorfer Straße" löst die Leitstelle Ludwigsburg dann um 17:48 Uhr Vollalarm für die Abteilungen Ditzingen und Heimerdingen aus. Drei bzw. fünf Minuten nach Alarmierung rückt die Abteilung Heimerdingen mit beiden Löschfahrzeugen zur 300 Meter entfernten Einsatzstelle aus. Kommandowagen, DL 30 und LF 16/8 folgen aus der acht Kilometer entfernten Kernstadt.
Wegen der sichtbaren Rauchentwicklung lässt der Einsatzleiter auf Anfahrt um 17:57 Uhr das Ditzinger TLF 16/25 nachrücken und ein weiteres Löschfahrzeug besetzen. Nach dem Eintreffen veranlasst er um 18:00 Uhr auch Vollalarm für die Ortsteile Hirschlanden und Schöckingen und fordert Unterstützung durch die Drehleiter der Feuerwehr Gerlingen nach. Um 18:11 Uhr veranlasst der Kommandant den Transport aller Atemschutzgeräte und der vorhandenen Reserveflaschen mit dem GW-T zur Einsatzstelle. Die Alarmierung des Leonberger GW-AS und des ELW 2 des Landkreises Ludwigsburg folgen etwa 30 Minuten nach Beginn der Erstmaßnahmen.
Lage beim Eintreffen
Auf der Anfahrt erkennt man eine große Rauchwolke, wenig später bereits Feuerschein über der Ortsmitte von Heimerdingen. Bei leichtem Nordostwind und trockener Witterung zieht die Rauchwolke über benachbarte Gebäude hinweg. Die Erkundungen auf dem 1400 Quadratmeter großen Gehöft sind durch die bauliche Verbindung der einzelnen Scheunen und Wohnhäuser des Objektes erschwert. Eine Scheune und die Dachstühle von zwei weiteren Scheunen stehen beim Eintreffen im Vollbrand, die Flammen beginnen auf eine vierte Scheune in Fachwerkbauweise überzugreifen.
Zwei ältere Bewohnerinnen müssen vom erkundenden Kommandanten mit Nachdruck aus ihren gefährdeten Wohnungen herausgeführt und in einem benachbarten Gebäude untergebracht werden.
Starker Funkenflug gefährdet weitere Wohngebäude südwestlich des Brandobjektes. Die benachbarte Kirche erscheint aufgrund der bestehenden Windverhältnisse nicht unmittelbar gefährdet. Die Einsatzstelle liegt an der Hauptdurchgangsstraße, die wegen des Berufsverkehrs noch stark frequentiert ist.
Einsatzmaßnahmen
Das zuerst eintreffende LF 16/12 beginnt an der nordöstlichen Seite mit Riegelstellungen zu angrenzenden Objekten. Das Heimerdinger LF 8 bereitet den Löscheinsatz im Hof des Gebäudekomplexes vor und übernimmt mit der Tragkraftspritze TS 16 die Wasserzufuhr aus der benachbarten Löschwasserzisterne. Der Löschzug aus Ditzingen sichert mit Riegelstellungen die Gebäude südlich des Gehöfts, aus dem Hydrantennetz und über eine B-Leitung zur Heimerdinger Tragkraftspritze steht in diesem Einsatzabschnitt ausreichend Löschwasser zur Verfügung. Mit Kräften des Schöckinger LF 8/6 und dem Ditzinger Tanklöschfahrzeug kann im westlichen Teil ein dritter Einsatzabschnitt gebildet werden.
Nach diesen Erstmaßnahmen erfolgt durch Trupps im Innenangriff von zwei Gebäudeseiten eine entscheidende Unterstützung der Brandbekämpfung. Mit insgesamt 6 C-Rohren, einem B-Rohr, 2 Wasserwerfern und 2 Wenderohren ist der Brand dadurch gegen 18:34 Uhr unter Kontrolle, erste Kräfte werden bereits zwei Stunden nach Brandausbruch zurückgezogen. Nach 22 Uhr blieben sechs Einsatzkräfte mit einem Löschfahrzeug und der Drehleiter noch an der Einsatzstelle. Sie müssen mit Hilfe der Wärmebildkamera während der ganzen Nacht noch mehrere Glutnester freilegen und ablöschen.
50 Meter vom Brandobjekt entfernt errichten die Einsatzkräfte nach Eintreffen des GW-T einen Atemschutzsammelplatz, mit Unterstützung des GW-AS aus Leonberg erfolgt hier die Bestückung der vorhandenen Geräte und die Bereitstellung weiterer Atemschutztrupps. Während der Brandbekämpfung gilt es den Einsatz von 25 Atemschutzgeräteträgern zu organisieren.
Mit dem Lichtmast des LF 16/12, den beiden Rüstwagen und weiteren Schein-werfern werden die drei Einsatzabschnitte ausgeleuchtet. Wegen der Einsturzgefahr am Giebel der größten Scheune erfolgt eine weiträumige Absperrung der Einsatzstelle. Durch herabstürzende Ziegel werden Helm und Visier eines Feuerwehrmannes beschädigt, er selbst bleibt zum Glück unversehrt.
Rettungsdienst und DRK-Ortsvereine errichteten vorsorglich in 100 Meter Entfernung eine Sammelstelle, Personen kamen jedoch nicht zu Schaden. Der Notfallseelsorger des Landkreises betreute die beiden Frauen, die zu Beginn des Einsatzes ihre Wohnungen verlassen mussten.
Vertreter verschiedener Medien werden vom Pressesprecher zu den einzelnen Einsatzabschnitten geführt und im Einsatzleitcontainer über den Stand der Lösch- bzw. Aufräumarbeiten informiert. Einen zusammenfassenden Pressebericht über alle Einsatzmaßnahmen erhalten die Medien noch während der Nachlöscharbeiten.
Brandursache:
Schon während der Löscharbeiten verbreitet sich das Gerücht, dass spielende Kinder bei Brandausbruch das Gehöft verlassen und möglicherweise das Feuer verursacht hätten. Wie die Polizei zwischenzeitlich ermittelte, richteten sich spielende Kinder am Brandtag auf dem Dachboden der größten Scheune ein Lager aus Strohballen ein. Am späten Nachmittag verließen die meisten Kinder das Gebäude, zwei Jungen im Alter von 14 und 13 Jahren seien noch im Lager geblieben. Bei einbrechender Dunkelheit zündete der 14-jährige etwas Stroh an, um Licht zu machen. Offensichtlich griff das Feuer so schnell auf die Strohballen über, dass Löschversuche aussichtslos waren und die beiden Jungen davon rannten. Wenig später standen stehen die Scheune und drei weitere Dachstühle im Vollbrand.
Eingesetzte Kräfte

Freiw. Feuerwehr Ditzingen
Abt. Ditzingen:
KoW, MTW, LF 16/8, DLK 30, TLF 16/25, LF 16 TS, GW-T, RW, RW II
Abt. Heimerdingen:
LF 16/12, LF 8 TS
Abt. Hirschlanden:
TLF 16/25, LF 8 TS
Abt. Schöckingen:
LF 8/6, MTW

FFW Gerlingen
KoW, DLK 30 SE

FFW Leonberg
GW-AS

FW Ludwigsburg
MTW, ELW 2

Kreisbrandmeister
KoW

Polizei
5 Fahrzeuge, 10 Beamte

Rettungsdienst
1 RTW, 2 Kräfte

DRK Ortsvereine Ditzingen und Heimerdingen
5 Fahrzeuge, 16 Kräfte

Notfallseelsorger Landkreis LB
1 PKW

Insgesamt 121 Kräfte mit 32 Einsatzfahrzeugen