LKW im Steinbruch abgestürzt

LKW im Steinbruch abgestürzt

14.10.1997

An der Landstraße zwischen den Ditzinger Stadtteilen Heimerdingen und Hirschlanden befindet sich ein etwa 100 Hektar großes Steinbruchgelände. Im Gelände ansässig ist das Beton- und Schotterwerk Rombold & Gfröhrer mit mehreren, durch Förderbänder verbundenen Produktionshallen. Ein Teil des Steinbruches dient der Zwischenlagerung von Erdaushub und Steinmassen nahegelegener Baustellen. Beim Abkippen einer Schuttmulde hatte dort ein 57jähriger Lastwagenfahrer sein Fahrzeug offensichtlich nicht ausreichend gesichert und stürzte einen etwa 20 Meter hohen Steilhang hinunter.

Beitrag in RTL-Notruf

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Der LKW überschlug sich dabei um die Längsachse und blieb mit dem Führerhaus hangabwärts auf der Fahrerseite liegen. Geröllmassen und tagelange Regenfälle sorgten zum Zeitpunkt des Unglücks für einen stark aufgeweichten und abrutschgefährdeten Untergrund. Durch die nur drei Tage vor dem Unglück auf dem Gelände durchgeführte Jahreshauptübung waren die eingesetzten Kräfte mit den örtlichen Gegebenheiten bestens vertraut.

Alarmierung

Um 9.37 Uhr alarmierte die Leitstelle Ludwigsburg zeitgleich die Abteilungen Ditzingen und Hirschlanden mit dem Stichwort "Verkehrsunfall mit LKW im Steinbruch Hirschlanden, Person eingeklemmt!" Innerhalb von vier Minuten rückten TLF 16 und
LF 8 der Abteilung Hirschlanden sowie der Ditzinger Hilfeleistungszug zur Unglücksstelle aus.
Ergänzt wird der Rüstzug bei LKW-Unfällen durch den SW 2000 Tr, der im Hilfeleistungseinsatz als "GW-T" technisches Gerät (anstelle von 50 B-Schläuchen) mitführt. Die am Fahrzeugheck installierte Hebebühne ermöglicht unterschiedliche Arbeitshöhen bei Arbeiten mit hydraulischem Rettungsgerät oder anderen Rettungsmaßnahmen.

Lage beim Eintreffen

Angestellte des Unternehmens schafften sofort nach dem Unglück mit einem Schaufellader einen provisorischen Zufahrtsweg im Geröllfeld. Mit einem Stahlseil sicherte ein Bagger den LKW von unten, ein zweites Sicherungsseil hatten Arbeiter vom Heck des Muldenkippers zu einem oben stehenden Schaufellader gespannt. Ein weiteres Abrutschen des Havaristen konnte dadurch weitgehendst verhindert werden, bei aufgeklappter Schuttmulde bestand jedoch weiterhin eine labile Seitenlage. Der ansprechbare LkW-Fahrer lag im stark eingedrückten Führerhaus, die Beine waren eingeklemmt zwischen Fahrersitz und Türe. Notarzt und Rettungsassistent vom RTH Christoph 41 hatten bereits einen ersten Zugang zum Verletzten gefunden und ein schmerzstillendes Narkotikum verabreicht. Auslaufendes Hydrauliköl oder Kraftstoff waren nicht erkennbar.

Einsatzmassnahmen

Hauptgefahr war bei der angetroffenen Lage ein Kippen oder seitliches Wegrutschen des Unglücksfahrzeugs im weichen Untergrund. Damit bestand nicht nur eine weitere Gefährdung des eingeklemmten Fahrers, sondern auch der im Führerhaus erkundenden oder erstversorgenden Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst. Zur optimalen Sicherung wurde daher ein Kranwagen der BF Stuttgart angefordert und bis zu dessen Eintreffen die Zugeinrichtung des RW 2 als drittes Sicherungsseil zur seitlichen Stabilisierung am LKW befestigt.
Während die Besatzung des LF 8 den Brandschutz sicherstellte, bereiteten die vier Trupps der beiden TLF 16 den Einsatz der hydraulischen Rettungsgeräte vor. Um die Einsatzkräfte vor abrutschenden Geröll-und Erdmassen zu schützen, befestigte man im Abhang Dielen mit großen Erdnägeln. Der Abstieg erfolgte auf abgelegten Steckleiterteilen.
Im Fahrzeug mussten zunächst Lenkrad und Schalthebel abgesägt werden, um den Verletzten während der Rettungsmaßnahmen schonend lagern Zu können. Erst als das Führerhaus mit dem zur Sicherung eingesetzten Bagger Zentimeter um Zentimeter angehoben wurde, gelang nach knapp zwei Stunden die Befreiung des Eingeklemmten durch die Dachluke. Beim Öffnen der Fahrertüre oder Durchtrennen einzelner Metallteile hatten immer neue Kräfteverhältnisse eine ständige Anpassung der Sicherungsaufbauten erfordert.
Zur Bergung des Unglücksfahrzeugs mussten nach Befreiung des Fahrers zunächst die Halterungen der Schuttmulde mit dem Schneidbrenner entfernt werden. Erst danach konnten Fahrzeug und Container mit Kranwagen und Seilwinde unbedenklich aus dem Abhang gezogen werden.

Einsatzbilanz

Nach über dreistündiger Einsatzdauer konnte diese nicht alltägliche Einsatzaufgabe erfolgreich bewältigt werden. Die dominierenden Probleme wie das Arbeiten im Steilhang und der stark aufgeweichte Untergrund erforderten ein umsichtiges und mehrfach abgesichertes Vorgehen, Flüchtigkeitsfehler hätten hier mit einer unnötigen Gefährdung von Einsatzkräften und eingeklemmtem LKW-Fahrer einhergehen können. Die Verletzungen des eingeklemmten Fahrers führten trotz zahlreicher Brüche der Beine, des Brustkorbes und der Schulter zu keiner unmittelbaren vitalen Gefährdung, so dass ein umsichtiges Arbeiten ohne zusätzlichen Zeitdruck möglich war.

Eingesetzte Kräfte:


FF Ditzingen, Abt. Ditzingen:
TLF 16, RW 2, ELW 1, SW/
GW, MTW

Abt Hirschlanden:
TLF 16, LF 8


BF Stuttgart:
ELW 1, Kranwagen

Kreisbrandmeister Bolay (LB):
1 KdoW

Rettungsdienst:
RTH mit Notarzt, 1 RTW, 1,
PKW für EL Rettungsdienst

Polizei:
3 PKW

insgesamt 43 Kräfte, unterstützt durch zahlreiche Angestellte des Schotterwerkes.