Familie in tödlichen Verkehrsunfall verwickelt

Familie in tödlichen Verkehrsunfall verwickelt

30.10.1996

Bei einem Frontalzusammenstoß sind am 30. Oktober 1996 auf der B 295 zwischen Ditzingen und Leonberg eine Person getötet und vier weitere Insassen - darunter zwei Kleinkinder - verletzt worden. Ein 25jähriger geriet mit seinem Lieferwagen ins Schleudern und prallte frontal gegen einen mit vier Personen besetzten VW-Passat.
Der um 13.48 Uhr alarmierte Hilfeleistungszug der Feuerwehr Ditzingen traf mit dem
ELW 1 sechs Minuten später an der Einsatzstelle ein. Beide Fahrzeuge hatten sich nach dem Aufprall überschlagen und lagen auf dem Dach bzw. auf der Fahrerseite. Der Unfallverursacher wurde aus seinem Fahrzeug geschleudert und lag schwerverletzt und bedingt ansprechbar neben seinem Fahrzeug. Im PKW waren Mutter und die 57jährige Großmutter der beiden Kinder eingeklemmt. Vor am Steuer sitzenden Großmutter war nur der Oberarm zu erkennen. Lebenszeichen fehlten. Die 33jährige Mutter lag traumatisiert im Fahrzeug, ihre Kinder waren von Passanten bereits aus dem Wrack gerettet worden. Der Notarzt des RTH ,,Christoph 41" kümmerte sich um die 33jährige, ein weiterer Notarzt vom NEF versorgte die beiden Kinder.

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Während sich Feuerwehrarzt und eine RTW-Besatzung um den Unfallverursacher kümmerten, öffnete der Angriffstrupp die Beifahrertür mit dem Spreizer. Danach konnte die Beifahrerin in Narkose befreit und frühzeitig mit dem RTH abtransportiert werden. Auslaufender Kraftstoff und Motorenöl mussten gleichzeitig unter Brandschutzmaßnahmen aufgefangen und abgebunden werden. Danach begannen die Vorbereitungen zur Befreiung der Fahrerin. Da ein Zugang zu ihr sowie die letzte Gewissheit über ihren Zustand fehlten, war die Schaffung eines Rettungszuganges vorrangig. Mit dem Einsatz von Spreizer, Rettungszylinder oder
hydraulischer Schere ließ sich dieser Rettungsgrundsatz nicht erfüllen. Erst als
das Fahrzeug mit zwei pneumatischen Hebekissen angehoben war, hatte man durchs Seitenfenster Zugang zur Fahrerin. Es bestätigten sich die Befürchtungen auf tödliche Verletzungen, so dass die weitere Befreiung ohne zeitlichen Druck mit hydraulischen Rettungsgeräten ablaufen konnte. Zur Aufrichtung des Lieferwagens musste die Zugvorrichtung RW 2 eingesetzt werden.
Zur Klärung der Unfallursache wurden ein Polizeihubschrauber und ein Sachverständiger hinzugezogen.

Einsatzbilanz

Vier zum Teil lebensgefährlich verletzte Insassen sind die traurige Bilanz
dieses Frontalzusammenstoßes. Nur statistische Bedeutung besitzt der DM auf 50.000 Mark geschätzte Sachschaden. Neben den Massnahmen zur Menschenrettung war aus rein feuerwehrtechnischem Aspekt ein aufwendiger Hilfeleistungseinsatz zu bewältigen. Fast gleichzeitig mussten Hebekissen, hydraulisches Rettungsgerät sowie Zugvorrichtung des RW eingesetzt werden. Auffangen und Abbinden von auslaufendem Kraftstoff sowie allgemeine (Brand-)Schutzmaßnahmen erlaubten kein Aufschieben. "Einsatzstress" entstand zusätzlich durch Umgang mit Schwerstverletzten sowie die Beteiligung verletzter und anfangs vermisster Kleinkinder.

Einsatznachbesprechung

Am Tag nach diesem Hilfeleistungseinsatz trafen sich erstmals die eingesetzten Kräfte zu einer Einsatznachbesprechung mit dem Fachberater Seelsorge. Dabei resümierte man zunächst den zeitlich-technischen Einsatzablauf, bevor jeder seine konkreten Tätigkeiten schilderte. Sich auf streng sachliche Schilderungen zu beschränken fiel schwer, meist wurden schon in dieser Phase Gedanken, Empfindungen und Gefühle geäußert. Dabei zeigte sich, dass die realisierten Stressoren bei allen weitgehend identisch waren, die persönliche Beziehung mehrerer Einsatzkräfte zur Unglücksfamilie stellte einen weiteren, sicherlich bedeutsamen Stressfaktor dar. Die Reaktionen oder Kompensationsmechanismen, die dem Einzelnen ein Weiterarbeiten im Einsatz ermöglichten, zeigten kaum individuelle Unterschiede. Jeder bemühte sich das Leid auszuklammern und sich auf seine medizinischen oder technischen Aufgaben zu konzentrieren oder versuchte durch das Hervorheben positiver Aspekte einen gewissen Selbstschutz aufzubauen.