Großbrand Aussiedlerhof im Hülben
09.11.1981
„Als ich morgens in die Garage ging, steckte ein spitzes Eternitstück am Holztor“. Berichtete - noch von den Schrecken der Nacht gezeichnet - der Schwiegersohn des ausgesiedelten Bauers, dessen Scheune auf der Gerlinger Höhe am Montagabend ausbrannte. Gewaltig war die Gefahr, in der sich Feuerwehrleute und Zuschauer befanden, denn die herumfliegenden Eternitbrocken schlugen mit einer unheimlich starken Kraft auf. Eine Hochspannungsleitung, die direkt über die in Brand geratene Scheuer führte, gefährdete ebenfalls Menschenleben.
Zurück zur EinsatzübersichtGlücklicherweise wurde niemand von den Eternitstücken getroffen und den Strom in der Hochspannungsleitung schaltete das Elektrizitätswerk ab. Die Rinder, die im Stall standen, konnten rechtzeitig gerettet werde. "Nur" landwirtschaftliche Geräte, große Mengen Stroh und das Hofgebäude mit einem Gesamtwert von einer Million Mark wurden ein Raub der Flammen. Beim Ausmisten des Viehstalles überraschte das Feuer die Bauernfamilie. Schon gegen 17:50 Uhr - so ein Passant - hätte er einen hellen Feuerschein bei dem Aussiedlerhof gesehen.
Aber erst kurz nach 18 Uhr bemerkte ein Sohn des Bauern das Feuer. Um 18:15 Uhr wurden die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen über Funkmeldeempfänger zusammengerufen. Dann ging alles sehr schnell. Innerhalb von zehn Minuten war die Wehr mit drei Wagen am Brandort. Doch die Scheune stand schon in hellen Flammen. Mit dem Tanklöschfahrzeug begannen die Feuerwehrkameraden sofort mit dem Löschangriff.
,,Normalerweise brauchen wir einen Wasserdruck von rund 5000 Litern pro Minute, der Hydrant hier liefert aber nur 800 Liter in der gleichen Zeit", erklärte aufgeregt ein Wehrmann an der Brandstelle. So musste zuerst eine Leitung zu einem zwei Kilometer entfernten Regenwasserbecken an der Gerlinger Straße bei der Aral-Tankstelle gelegt werden. Dafür benötigte man den Schlauchwagen der Leonberger Feuerwehr, die auch mit ihrem 5000 Liter fassenden Tanklöschwagen zur Stelle war.


Die Verlegung der Wasserleitung nahm viel Zeit in Anspruch. Drei Traktoren, fünf landwirtschaftliche Anhänger, der gesamte winterliche Strohvorrat und das Gebäude wurden so ein Opfer der Flammen. Die Kühe rettete die Familie selber, aber die Bullen standen in sogenannten Freilaufgittern. Erst die Kameraden die mit dem Ditzinger Rüstwagen der mit Rettungsschere, -spreizer und elektrischer Trennscheiben ausgerüstet ist, vor Ort war konnten die Stiere befreien: kurzerhand schnitten die Wehrmänner die Metallstangen auf. An der Jagd auf die Rinder, die aufgeschreckt über die Felder stolperten, beteiligten sich neben Polizei und Feuerwehr auch zahlreiche Schaulustige.


Ein Kalb, das erst mittags geboren wurde, wurde frierend zum Nachbarhof getragen, und dort mit anderen Kälbern untergebracht Erstaunlicherweise haben diese Tiere die Aufregung gut überstanden, nur haben sie nun eine Grippe. Außerdem erweist sich die Fütterung des jüngsten Kalbes als schwierig, da es bisher noch keine Milch von seinem Muttertier erhalten konnte. So muss sich die freundliche Nachbarin mit einer Baby-Flasche voll warmer Milch behelfen. 95 der Kühe wurden am Abend noch mit Viehtransportern in die Ludwigsburger Markthalle gebracht, nur fünf in den Schlachthof von Möglingen. Notgeschlachtet wurde kein Rind.
Um 22 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Mit dem Wenderohr des Drehleiterwagens wurde das Heusilo gekühlt, so dass das Feuer nicht übergreifen konnte.
Der Schwiegersohn des Landwirts vermutet: "Wenn das Heu aber durch Qualm und Wasser verdorben ist, werden es die Kühe nicht mehr fressen". Das Wohnhaus war nach Auskunft der Feuerwehr, trotz des vorherrschenden Westwinds, zu keiner Zeit gefährdet. Durch Riegelstellungen zu Beginn des Einsatzes ließ sich hier eine Ausbreitung des Feuers verhindern. Wegen der Schwelbrände mussten aber in der Nacht noch acht Wehrmänner die Brandstelle bewachen. Auch in den frühen Morgenstunden des Dienstags qualmte das Stroh noch. Gegen 10 Uhr wurde mit den Aufräumungsarbeiten begonnen. Die Strohreste wurden zusammengetragen und zur Mülldeponie Rübenloch gebracht. Bei diesen Arbeiten kam es noch zum Aufflammen einzelner Glutnester.
Mehrere Sachverständige der Kripo untersuchten im Laufe des gestrigen Tages die Brandursache. Eine vorsätzliche Brandstiftung wird ausgeschlossen – ein technischer Defekt vermutet.
Klaus D. Lange, Leonberger Kreiszeitung