Schwere Gasexplosion in Wohnhaus

Schwere Gasexplosion in Wohnhaus

22.10.1984

Bei einer Gasexplosion in einem Zweifamilienhaus mitten in Ditzingen zogen sich eine 80 Jahre alte Bewohnerin lebensgefährliche und eine 75jährige schwere Verletzungen zu. Glück hatte ein neun Jahre altes Mädchen, das ohne Blessuren davon kam. Der Sachschaden beträgt rund 150.000 Mark.

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Die Explosion erfolgte gegen 9 Uhr. Dekan Manfred Neun, der nebenan sein Büro hat, hörte einen Knall - ,,wie ein Düsenjäger, der die Schallmauer durchbricht". Dann roch er auch schon das Gas und rannte auf die Straße. Zuerst sah er die qualmenden Geröll- und Trümmermassen, dann entdeckte er die 75jährige Frau unter Holzbalken und Schutt: ,,Ich habe ihr gut zugeredet und sie getröstet. Aber das Wichtigste war, dass sie mir sagen konnte, wer noch in dem Haus ist", erzählt der Dekan. Offensichtlich war die Bewohnerin gerade beim Zeitung lesen, als das Gas explodierte.
Die Feuerwehrleute bargen unter den Holzbalken, zerbrochenen Möbeln und dem Schutt eine weitere Frau: eine 80jährige, die mit lebensgefährlichen Brandverletzungen vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht wurde. Zwei Wochen später erlag die Bewohnerin ihren Verletzungen in einer Verbrennungsklinik. Ein 9jähriges Mädchen, das im hinteren Teil des Gebäudes mit Mumps im Bett gelegen war, blieb aber ansonsten unverletzt. "Seine Mutter", so ein Augenzeuge, "war gerade in der Apotheke, um Medizin zu kaufen".
Als die Frau zurückkam, bot sich ihr ein Bild der Zerstörung. Die Giebelseite des zweigeschossigen Hauses war von der Explosion fast vollständig weggerissen worden. Vom Schaufenster einer gegenüberliegenden Reinigung waren nur noch Scherben übrig, die Jalousie des Geschäfts hing verbogen im Wind. Auch das Dach war beschädigt. Helene Wanek, die in der Reinigung mitarbeitet, berichtet: "Auf einmal war da dieser Schlag. Ich weiß nicht mehr, wie ich nach hinten gekommen bin".
Eine halbe Stunde nach der Explosion bemühten sich gestern Feuerwehrleute, die wackeligen Reste des Hauses abzusichern. Hans Kreuzberger, Zimmermann und Kommandant der Münchinger Feuerwehr, arbeitete während der Explosion zufällig auf einer Baustelle beim Unglücksort. Er schaffte starke Bauhölzer herbei, die unter die noch tragenden Balken des Hauses geklemmt wurden, damit die Unglücksstelle wenigstens provisorisch abgesichert werden konnte.
Zur selben Zeit zwickten die Feuerwehrleute die Stromleitungen zum Dach des Hauses ab, "damit es zu keinem Kurzschluß kommt", wie einer der Wehrmänner erklärte. Kreisbrandmeister Trefz leitete die Rettungs- und Bergungsarbeiten der Ditzinger Feuerwehr, die mit 26 Mann angerückt war. Eine Sondereinheit der Kripo Kornwestheim ermittelte vor Ort, um die genaue Ursache des Unglücks herauszufinden. Die Beamten gehen davon aus, dass im Gebäude Gas ausgeströmt war. Auch ein Sachverständiger vom TÜV Stuttgart nahm gestern den Unglücksort in Augenschein. Der Sachschaden an dem Haus wird auf 150 000 Mark geschätzt Bürgermeister Fögen hat mitgeteilt, dass die Bewohner des Unglückshauses im Gebäude der früheren Drogerie Langohr untergebracht werden sollen. Mit Fahrzeugen vom Städtischen Bauhof soll der Umzug „rasch und unbürokratisch" über die Bühne gehen.