Acht Verletzte bei nächtlichem Discounfall

29.11.1998
Ein sogenannter "Discounfall" erforderte in der Nacht zum 29. November 1998 den Einsatz des Rüstzuges der Ditzinger Feuerwehr. Dabei zeigte der Verkehrsunfall die klassischen Eigenschaften eines solchen Unglücks: ein junger Fahrzeuglenker verursachte mit seinem voll besetzten Wagen durch zu hohe Geschwindigkeit die Kollision mit zwei weiteren Fahrzeugen. Lediglich der häufig vorhandene Faktor Alkohol fehlte.
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Unfallablauf
Nach einem Discobesuch fuhr der 20jährige Verursacher des Unglücks gegen 2:30 Uhr mit sechs etwa gleichaltrigen Freunden und Freundinnen auf der B 295 von Leonberg nach Ditzingen. In einer scharfen Rechtskurve geriet sein DB-Lieferwagen auf die Gegenfahrbahn und prallte dort gegen einen entgegenkommenden VW Golf. Dieser drehte sich nach dem Aufprall um die Längsachse, der 21jährige Fahrer wurde durch den Aufprall schwer verletzt und im Fahrzeug eingeklemmt. Der nicht angeschnallte 20jährige stürzte nach dem Aufprall aus dem Fahrzeug, sein jetzt mit sechs Personen besetzter Lieferwagen raste führerlos auf eine Böschung zu und kippte nach etwa 40 m langer Geisterfahrt. Der herausgeschleuderte Fahrer wurde beim Sturz von der Front eines dritten Wagens erfasst und lag mit schweren Kopfverletzungen auf der Fahrbahn.

Alarmierung
Die Leitstelle Ludwigsburg alarmierte gegen 2:30 Uhr den Rüstzug der Abteilung Ditzingen mit dem Stichwort: "VU mit eingeklemmter Person auf der B 295 Richtung Leonberg, nahe Tankstelle". Zwischen 2:33 Uhr und 2:34 Uhr rückten ELW 1, TLF 16 und RW II mit 11 Mann zur Einsatzstelle ab, sie trafen jeweils 4 bis 5 Minuten später am Einsatzort ein.Lage beim Eintreffen
"Nahe" der genannten Tankstelle ließ sich kein Unfall feststellen. Nach Rücksprache mit der Leitstelle fand die ELW-Besatzung dann etwa 1000 m weiter die Unfallstelle. Für Stadtkommandant und Einsatzleiter Gerhard Schaible bot sich beim Eintreffen eine sehr unübersichtliche, schwer zu erkundende Einsatzlage. Die beteiligten Fahrzeuge standen bei Dunkelheit über 60 m verteilt in einer Kurve, zahlreiche Ersthelfer und Leichtverletzte erschwerten die Erkundungen. Gemeinsam mit dem Abteilungskommandanten Hans-Martin Bittler gelang es ihm dann, die schwierige Lage zu erfassen:Im umgestürzten Lieferwagen befanden sich keine weiteren Personen, es schien auch keine Person unter dem Fahrzeug zu liegen. Kraftstoff oder Motorenöl liefen nicht aus. Nach etwa 40 m lag neben einem leicht demolierten Golf Cabrio der 20jährige Unfallverursacher mit stark blutender Kopfverletzung auf der Fahrbahn, er war bewusstlos und atmete nur flach und unregelmäßig. Die beiden Insassen dieses Wagens standen unter Schock, sichtbare Verletzungen fehlten. Etwa 15 m weiter stand ein erheblich beschädigter VW Golf, die Tür des verletzten aber ansprechbaren Fahrers ließ sich nicht öffnen.


Maßnahmen
Die Besatzung des Rüstwagens übernahm Sicherungsaufgaben und leuchtete die Einsatzstelle aus. Der im TLF 16 mitausgerückte Feuerwehrarzt kümmerte sich sofort um den lebensgefährlich verletzten Unfallverursacher. Dieser musste noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes infundiert sowie intubiert und beatmet werden. Während der Befreiung des 21jährigen Golffahrers durch die RW 2-Besatzung traf das NEF und ein RTW aus Leonberg ein, der Notarzt übernahm die medizinische Versorgung des Verletzten.Die sechs leicht verletzten Insassen des umgestürzten Lieferwagens wurden bei Minusgraden im Mannschaftsraum des TLF 16 durch Feuerwehrangehörige betreut. Sie hatten sich alle nur leichtere Verletzungen zugezogen und konnten versichern, dass keine weiteren Insassen mitfuhren. Bis zum Eintreffen der RTW aus Stuttgart und Ludwigsburg mussten auch die unter Schock stehenden Insassen des dritten beteiligten Fahrzeugs betreut werden.
Nach dem Abtransport aller Verletzten in umliegende Krankenhäuser leuchtete die Feuerwehr die Einsatzstelle für Unfallaufnahmen der Polizei und eines Sachverständigen aus.


Bilanz
Ein nächtlicher Discounfall konfrontierte die Feuerwehr mit Aufgaben, die nur schwer zu üben oder im Rahmen von Ausbildungen vermittelt werden können. Fast unbedeutend erwiesen sich die technischen Aufgaben, die es zu bewältigen galt. Ausleuchten der Einsatzstelle und Befreien eines unkompliziert eingeklemmten Golffahrers waren Aufgaben, die die Truppbesatzung des Rüstwagens alleine bewältigen musste und auch alleine bewältigen konnte.Die weiteren Kräfte waren mit dem Suchen nach Verletzten sowie deren Betreuung völlig ausgelastet. "Ruhe bewahren!" steht in den Regeln der Ersten Hilfe erster Stelle. Diese Ruhe musste jeder Helfer erst sich selbst und dann auch den zum Teil panisch oder erschrocken umherirrenden Unfallopfern vermitteln. Dass dieser Prozess auch im Ernstfall gelernt werden kann, erfuhr ein mitausgerückter Brandmeister. Ein im TLF von ihm betreuter Junge bedankte sich in seiner Sprache beim (34jährigen) Helfer der Feuerwehr. "He Alter, du warst echt klasse!"


Eingesetzte Kräfte
Feuerwehr Ditzingen
ELW 1, RW 2, TLF 16;
11 Mann
Polizei
3 Fahrzeuge, 6 Mann
Rettungsdienst
1 NEF, 5 RTW