Großbrand beim Wasserturm

Großbrand beim Wasserturm

25.04.1999

Ein Großbrand zerstörte in der Nacht zum 25. April 1999 Scheune und Stallungen eines Aussiedlerhofes. Zum Zeitpunkt der Alarmierung stand das auf einer Anhöhe gelegene Gebäude im Vollbrand. Die Sicherung der noch nicht vom Feuer erfassten Gebäude erforderte einen massiven Löscheinsatz, bei dem sich die Wasserreserven eines unmittelbar benachbarten Wasserturmes zunächst als nicht ausreichend erwiesen.

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Brandobjekt

Knapp zwei Kilometer vom Ortsausgang Hirschlanden entfernt liegt der Hof Schönnblick auf einer Anhöhe zwischen den Ortsteilen Heimerdingen, Hirschlanden und Leonberg-Höfingen. Eine 500 m2 große Scheune mit Stallungen liegt inmitten des Anwesens. Wohnhaus, Doppelgarage und ein weiteres Wirtschaftsgebäude sind baulich getrennt (siehe Skizze). Acht Pferde und ein Schwein waren am Brandtag im Stall untergebracht, in der Scheune lagerten die gesamten Stroh- und Heuvorräte sowie verschiedene Arbeitsmaschinen. Am höchsten Punkt des Gewannes - etwa 50 Meter entfernt - steht ein 15 Meter hoher Wasserturm, der Trinkwasser für die umliegenden Anwesen speichert. Der Aussiedlerhof ist aus vier Richtungen über asphaltierte, jeweils ansteigende Feldwege erreichbar.

Alarmierung

Erst nach Ausfall der Stromversorgung bemerkten die Bewohner des Hofes den Brand. Während eine Untermieterin Pferde und Schwein aus dem Stall rettete, versuchten weitere Personen die Feuerwehr zu alarmieren. Doch auch die Telefonleitungen waren bereits gestört, ein Notruf damit unmöglich. Erste Notrufe erhielt die Feuerwehrleitstelle Böblingen gegen 1:05 Uhr, als nördlich von Höfingen ein Feuerschein gesichtet wurde. Daraufhin alarmierte der Disponent die Feuerwehren Leonberg und Höfingen, der genaue Einsatzort war nicht bekannt. Acht Minuten später meldeten Autofahrer der Feuerwehrleitstelle Ludwigsburg Feuerschein bei Ditzingen-Hirschlanden, so dass die Feuerwehren Ditzingen und Hirschlanden gegen 1:14 Uhr zur selben Einsatzstelle geschickt wurden. Auf der Anfahrt erkannte Stadtkommandant Gerhard Schaible bereits das Ausmaß des Brandes und veranlasste über Funkkanal 47 eine Nachalarmierung der Abteilungen Heimerdingen und Schöckingen. Über die Anfahrt der beiden Leonberger Abteilungen (Funkkanal 463) war im Funkkanal des Landkreises Ludwigsburg nichts bekannt.

Lage beim Eintreffen

Bei unbekannter Einsatzstelle wies ein großer Feuerschein den Einsatzkräften den Weg. Dabei erschwerten schaulustige Passanten mit ihren Privatwagen den aus vier Richtungen anrückenden Feuerwehrfahrzeugen die Zufahrt. Das in Hofmitte gelegene Wirtschaftsgebäude stand beim Eintreffen im Vollbrand, einen angebauten Seitenflügel hatten die Flammen noch nicht erfasst. Die geretteten Tiere befanden sich auf einer angrenzenden Koppel. Ein an der Hofeinfahrt gelegener Hydrant erwies sich als unbrauchbar. Starker Funkenflug und ausgeprägte Wärmestrahlung gefährdeten alle übrigen Gebäude des Anwesens, eine weitere Gefahr bestand für die Drehleiterbesatzungen durch Stromleitungen im Hof. Trockene Witterung und nur geringe Winde ließen die Rauchgase ohne relevante Gefährdung der Einsatzkräfte abziehen.

Wasserversorgung

Mit den Tanklöschfahrzeugen der Abteilungen Ditzingen, Heimerdingen, Hirschlanden, Leonberg und Höfingen verfügten sechs der ersten Großfahrzeuge über einen Löschwasservorrat von insgesamt 16.000 Litern. Diese Vorräte ermöglichten gleich zu Beginn des Einsatzes effektive Riegelstellungen zu allen nicht vom Feuer betroffenen Gebäuden oder Gebäudeteilen. Eine massive Brandbekämpfung war mit diesen Vorräten jedoch nicht möglich.
Aufgabe der nachrückenden Löschfahrzeuge und des SW 2000 war damit eine umfassende Wasserversorgung sicherzustellen. Die Kapazität eines am Kreuzungsbereich der Feldwege gelegenen Unterflurhydranten (H 100) war schnell erschöpft, so dass die Mannschaft des LF 16-8 aus Ditzingen auf die Reserven des benachbarten Wasserturmes zurückgriff. Über eine A-Saugleitung konnte sie ausreichend Wasser fördern, um die Brandbekämpfung der beiden Tanklöschfahrzeuge auf der Ostseite des Hofes sowie das Wendestrahlrohr der Ditzinger Drehleiter zu speisen.
Für die Brandbekämpfung am südlichen und westlichen Brandabschnitt verlegten weitere Gruppen mit Hilfe des SW 2000 eine knapp 900 Meter lange B-Leitung zu einem beim Hirschlander Steinbruch gelegenen Betonmischwerk. Wegen des Geländeanstieges von der Wasserentnahmestelle zum Brandobjekt mussten sie die Fahrzeugpumpen der LF 8 aus Hirschlanden und Heimerdingen zwischenschalten. Bis zur Kontrolle des Großfeuers nach etwa einer Stunde wurde diese Wasserversorgung aufrecht erhalten, für die spätere Brandbekämpfung und Nachlöscharbeiten reichte die Zufuhr aus Wasserturm und Unterflurhydrant.

Brandbekämpfung

Nach zuverlässigen Angaben der Hofbesitzer befanden sich beim Eintreffen der ersten Kräfte keine Menschen oder Tiere mehr im brennen den Stall. Bei knappen Löschwasserreserven während der ersten Einsatzminuten sollte als erstes Einsatzziel eine Brandausdehnung verhindert werden. Die Riegelstellungen zu den freistehenden Gebäuden (C-Rohre) und zu der an das Brandobjekt angebauten Scheune 1 b (siehe Skizze) mittels B-Rohr benötigten für diese Aufgabe bereits um 1000 Liter Löschwasser pro Minute. Bis zum Aufbau der Wasserversorgung aus dem Wasserturm erfolgte die Brandbekämpfung in der ersten Phase nur mit Hilfe zweier B- und zweier C-Strahlrohre.
Nach Maximierung der Wasserzufuhr unterstützten die Wendestrahlrohre der beiden Drehleitern, sowie drei weitere B- und sechs weitere C-Strahlrohre die Löschmaßnahmen. Insbesondere für die Trupps im Bereich des östlichen Abschnittes und die Korbbesatzungen der Drehleitern erforderte die Rauchentwicklung ein Vorgehen unter Atemschutz, bei mehr als 20 eingesetzten Atemschutzgeräten schickte die Feuerwehr Leonberg zur Bestückung der gebrauchten Geräte einen GW-Atemschutz zur Einsatzstelle.
Gegen 2:30 Uhr sah Kreisbrandmeister Helmut Feil den Brand unter Kontrolle, so dass erste Einheiten vom Einsatz zurückgezogen werden konnten. Sechs Stunden nach Brandausbruch hieß es "Feuer aus", die Nachlöscharbeiten dauerten bis zum Abend des 25. April an.

Brandursache und Schaden

Ungeklärt ist bislang die Ursache des Großfeuers, das einen Schaden in Höhe von 400.000 DM verursachte. Eine Stunde vor Brandausbruch hatten Unbekannte auf einem 500 Meter entfernten Pferdestall eingebrochen und dabei ein Tier verletzt. Die Kriminalpolizei hält zwar einen Zusammenhang mit dieser Straftat für möglich, es ergaben sich jedoch auch Hinweise auf einen Defekt im Bereich der elektrischen Installation des Brandobjektes. Konkrete Ermittlungsergebnisse liegen bislang nicht vor.

Schlussbetrachtung

Erst nach Vollbrand des etwa 500 m2 großen Wirtschaftsgebäudes eines Aussiedlerhofes wurden Verkehrsteilnehmer auf das Feuer aufmerksam. Nach Ausfall von Stromversorgung und Telefon misslang zuvor eine Alarmierung durch die Bewohner des Hofes. Wegen der vermuteten geographischen Lage gingen die Notrufe bei den Feuerwehrleitstellen in Böblingen und Ludwigsburg ein, beide Leitstellendisponenten lösten sofort Vollalarm für die vermeintlich zuständigen Feuerwehren aus.
Frühzeitig standen Fahrzeuge und Einsatzkräfte für einen umfassenden Löschangriff und eine aufwendige Wasserversorgung in ausreichender Zahl zur Verfügung. In zwei Einsatzabschnitten konzentrierten sich bei ausgeprägtem Funkenflug und starker Wärmestrahlung die Erstmaßnahmen auf Riegelstellungen. Durch geräte- und personalintensiven Großeinsatz blieben die weiteren Gebäude des Hofes mit diesem Vorgehen vom Feuer verschont, eine Rettung der im Stall untergebrachten Tiere gelang den Hofbewohnern noch vor Alarmierung der Feuerwehren.

Eingesetzte Kräfte


Feuerwehr Ditzingen
Abt. Ditzingen ELW, TLF 16, DLK 23-12, LF16-8, LF 16T5, RW2, SW 2000
Abt. Hirschlanden TLF 16, LF 8-6, MTW
Abt. Heimerdingen TLF16, LF 8
Abt. Schöckingen LF8-6, MTW

Feuerwehr Leonberg
Abt. Leonberg ELW, TLF 16, TLF 24/50, LF 16 TS, GW-Atemsch, GW-Licht, DLK 23-12
Abt. Höfingen TLF 8, LF 8, MTW

Kreisbrandmeister BB ELW

Rettungsdienst Leo 1 RTW
DRK Ditzingen (SEG) 3 KTW
Polizei 2 PKW
Insgesamt 137 Einsatzkräfte mit 30 Fahrzeugen.